Bürgerverein Gondelsheim

Arbeitskreis Streuobst


Von links: Sonja Beierle,  Karl Becker,   Marcella Weber, Ingrid Hoffmann-Schlindwein (vorne).

Streuobstwiesen gehören fast überall in Baden-Württemberg zum Landschaftsbild. Landschaftsprägende Streuobstwiesen finden sich heute wieder vermehrt im Kraichgau. In jüngster Vergangenheit entwickelt sich, bedingt durch ein verändertes Bewusstsein und auch mit politisch-ökonomischer Unterstützung, eine zunehmende soziale und kulturelle Bedeutung im Hinblick auf die Streuobstnutzung. Die vielfältigen Ausprägungen von Streuobstbeständen sind zudem Ausdruck landschaftsschützerischer Aspekte. Sie sind ein kostbares Kulturgut, das es zu „bewahren“ und „weiterzuentwickeln“ gilt.

Die starkwüchsigen, hochstämmigen Obstbäume mit ihren ausladenden Kronen und darunter das als Wiese oder Weide genutzte Grünland sind wertvoller Lebensraum für viele Tierarten. Insbesondere Vögel, Käfer, Schmetterlinge und Kleinsäuger profitieren von dem reichhaltigen Angebot an Höhlen, Blüten und herabfallenden Früchten. Viele traditionelle Obstsorten, die dem Klima und den Böden der jeweiligen Region angepasst und wenig empfindlich sind, findet man auf den Streuobstwiesen. Streuobstwiesen sorgen für die landwirtschaftliche Mehrfachnutzung einer Fläche. Sie dienen der Obsterzeugung und werden zudem als Mähwiese genutzt.

Weniger für den Betreiber als vielmehr für den unbeteiligten Spaziergänger dienen sie als Naherholungslandschaft. Mit ihren unterschiedlichen Wuchsformen, Blühzeiten, Blühfarben und Herbstfärbungen nehmen sie auch eine gestalterische Funktion wahr. Je nach Standort und Bodenbearbeitung finden sich alle nur denkbaren Arten von Gräsern, Kräutern und Blumen. Diese Vielfalt an Pflanzenarten begünstigt auch viele Tierarten: Ameisen, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge, Niederwild wie Hasen und Wiesel und eine Vielzahl von Vögeln, auch seltene Arten und solche, die auf der 'Roten Liste' stehen.

Streuobstgürtel in der Nähe von Siedlungen wirken zudem als Windschutz. Extreme Temperaturen werden abgeschwächt und die Windgeschwindigkeit vermindert. Die Baumdichte auf Streuobstwiesen beträgt in Abhängigkeit von den Obstarten 60 bis 120 Bäume pro Hektar.

Leider ist vielerorts ein Großteil der Streuobstwiesen in ihrem Bestand gefährdet. Ursachen dafür sind u.a. eine verfehlte Agrarpolitik sowie die anhaltende Bebauung. Die notwendige Pflege und Erhaltung von Steuobstwiesen übernehmen in vielen Gemeinden lokale Fördervereine,  unterstüzt von umweltpädagogischen Veranstaltungsgruppen. Der Bürgerverein Gondelsheim kann an dieser Stelle als ein früher und beispielgebender Vertreter in diesem Zusammenspiel benannt werden. Der Bürgerverein Gondelsheim versucht durch verschiedene Aktionen einer möglichen negativen  Entwicklung entgegen zu wirken:

Der Arbeitskreis veranstaltet Schnittkurse für Obstbäume durch, hat seit vielen Jahren die Pflege eines Teils der gemeindeeigenen Streuobstbestände übernommen und wirkt bei der  Konfirmanden-Baumpflanzaktion mit. In den vergangenen Jahren wurden die Fruchtsaftaktionen in den örtlichen Kindergärten organisiert. Nicht zuletzt hat der Arbeitskreis einen vereinseigenen Obstler, das „Wallsgrabenwässerle“ kreiert, der im BVG Kerwe-Café ausgeschenkt wird.